BULLS Machete EVO SX 1 im ersten Test: Jetzt verstehe ich E-Gravelbikes

Ein E-Gravelbike? Ich gebe zu, dass ich bei diesem Thema zunächst ziemlich skeptisch war. Wahrscheinlich geht es damit vielen ähnlich, denn gerade ein Gravelbike lebt davon, leicht und schnell zu sein. Auf Asphalt oder guten Schotterwegen erreicht man relativ problemlos Geschwindigkeiten von 25 km/h und mehr. Warum sollte man sich also zusätzlich einen Motor und einen Akku ans Fahrrad bauen, wenn die elektrische Unterstützung genau dort bereits endet?
Auf dem Gravel Ground 2026 hatte ich erstmals die Möglichkeit, genau das auszuprobieren. Mit dem BULLS Machete EVO SX 1 konnte ich mein erstes E-Gravelbike fahren und musste anschließend feststellen, dass ich das Konzept vorher vermutlich aus der falschen Perspektive betrachtet hatte. Denn vielleicht geht es beim E-Gravel gar nicht darum, permanent mit Motorunterstützung unterwegs zu sein. Vielleicht geht es vielmehr darum, sie genau dort zu haben, wo man sie wirklich gebrauchen kann.
Der Motor muss nicht permanent arbeiten

Im BULLS Machete EVO SX 1 steckt der Bosch Performance Line SX, der speziell für sportlichere und leichtere E-Bikes entwickelt wurde. Er liefert bis zu 60 Nm Drehmoment und eine maximale Leistung von 600 Watt. Damit verfolgt Bosch einen etwas anderen Ansatz als bei den kräftigeren Antrieben klassischer E-Mountainbikes. Beim Gravelbike geht es schließlich nicht darum, sich dauerhaft mit maximaler Unterstützung durch das Gelände ziehen zu lassen.
Ein Punkt war mir beim Test besonders wichtig: Was passiert eigentlich oberhalb der Unterstützungsgrenze von 25 km/h? Genau hier hatte ich vorher meine größten Bedenken. Wenn ich auf einer geraden Strecke 30 oder 35 km/h fahren möchte, will ich nicht das Gefühl haben, plötzlich gegen den Motor anzutreten. Bei meiner Fahrt mit dem Machete war davon aber nichts zu spüren. Der Motor entkoppelt oberhalb der Unterstützungsgrenze und das Rad lässt sich ganz normal aus eigener Kraft weiter beschleunigen. Es entsteht nicht dieses Gefühl, als würde das Fahrrad plötzlich bremsen oder unnötigen Widerstand erzeugen.
Und genau das ist für mich ein entscheidender Punkt. Auf der Geraden benötige ich den Motor schließlich überhaupt nicht. Dort möchte ich selbst fahren und genau das funktioniert mit dem Machete erstaunlich gut.
Der eigentliche Vorteil beginnt für mich am Berg
Interessant wird ein E-Gravelbike für mich dort, wo die Straße oder der Schotterweg nach oben zeigt. Ich werde vermutlich nie zu den Menschen gehören, die einen langen Anstieg sehen und sich darauf freuen, die nächsten Kilometer bergauf zu fahren. Natürlich gehören Höhenmeter zum Radfahren dazu und natürlich kann man seine Leistungsfähigkeit am Berg durch Training verbessern. Trotzdem muss man sich meiner Meinung nach irgendwann auch die Frage stellen, was man eigentlich vom Radfahren erwartet.
Ich bringe aktuell etwas mehr Gewicht auf die Waage. Dementsprechend fühlen sich Höhenmeter für mich eben anders an als für jemanden, der vielleicht 70 Kilogramm wiegt und mehrere tausend Trainingskilometer pro Jahr fährt. Für die klassischen Bergziegen unter den Gravel-Fahrern ist elektrische Unterstützung vermutlich vollkommen überflüssig. Wahrscheinlich wird der eine oder andere sogar von Cheaten sprechen, wenn jemand mit einem E-Gravelbike den Berg hochfährt.
Kann man machen. Mir persönlich ist das inzwischen ziemlich egal.
Ich fahre Fahrrad nicht, um anderen zu beweisen, wie viel ich leiden kann. Ich fahre Fahrrad, weil ich draußen unterwegs sein möchte, neue Strecken entdecken will und Spaß an der Bewegung habe. Wenn mir ein Motor dabei hilft, eine Tour mit 800 oder 1.000 Höhenmetern überhaupt in Betracht zu ziehen, dann erweitert ein E-Gravelbike meine Möglichkeiten. Genau darin sehe ich nach meinem ersten Test inzwischen den größten Vorteil dieser Fahrradgattung.
BULLS kombiniert Sportlichkeit mit Unterstützung
Technisch verfolgt BULLS beim Machete EVO SX 1 einen ziemlich interessanten Ansatz. Statt einfach einen Motor in ein möglichst klassisches Gravelbike zu bauen, ist das Fahrrad etwas robuster ausgelegt. Der Rahmen besteht aus Carbon und vorne arbeitet eine RockShox Rudy XL Federgabel mit 60 Millimetern Federweg. Dazu kommen 45 Millimeter breite Schwalbe G-One RX Reifen, eine mechanische Shimano GRX 12-fach Schaltung und hydraulische GRX Scheibenbremsen.
Das Gewicht liegt bei ungefähr 17,7 Kilogramm. Natürlich ist das gegenüber einem klassischen Gravelbike nicht gerade wenig, für ein vollwertiges E-Bike inklusive Motor und Akku finde ich diesen Wert aber durchaus interessant. Gerade wenn das Fahrrad oberhalb von 25 km/h ohne Unterstützung gefahren werden soll, spielt das Gewicht schließlich eine deutlich größere Rolle als beispielsweise bei einem schweren E-Mountainbike.
Auch die Federgabel gefällt mir bei diesem Konzept ziemlich gut. 60 Millimeter Federweg klingen aus der Mountainbike-Perspektive zunächst fast schon niedlich, auf einem Gravelbike können sie aber einen deutlichen Unterschied machen. Gröberer Schotter, kleine Wurzeln, Schlaglöcher oder ausgewaschene Wege verlieren dadurch etwas von ihrem Schrecken. Das Machete orientiert sich damit nicht nur an schnellen Asphaltkilometern, sondern möchte auch auf schlechteren Wegen funktionieren.
400 Wh können beim Gravelbike völlig ausreichend sein
Beim Akku setzt BULLS auf 400 Wh Kapazität. Verglichen mit meinem E-Mountainbike und dessen 750-Wh-Akku klingt das zunächst natürlich ziemlich wenig. Allerdings muss man auch hier wieder berücksichtigen, wie ein E-Gravelbike genutzt wird. Auf flachen Strecken braucht man die elektrische Unterstützung teilweise überhaupt nicht und kann die Energie genau für die Passagen aufsparen, an denen sie wirklich einen Unterschied macht.
Optional kann zusätzlich ein 250-Wh-Range-Extender verwendet werden. Damit ließe sich das Konzept auch für längere Touren interessant machen. Gerade bei Radweg-Touren oder mehrtägigen Strecken könnte ich mir persönlich eine solche Kombination durchaus vorstellen. Auf flachen Abschnitten wird ohne oder mit wenig Unterstützung gefahren und sobald längere Anstiege kommen, steht die zusätzliche Leistung zur Verfügung.
Genau dieses Prinzip gefällt mir deutlich besser, als einen riesigen Akku durch die Gegend zu fahren, dessen Kapazität ich auf vielen Kilometern möglicherweise überhaupt nicht benötige.
Auch für längere Touren interessant
Spannend finde ich außerdem, dass das Machete nicht ausschließlich auf sportliche kurze Gravel-Runden ausgelegt ist. Es gibt Befestigungsmöglichkeiten für Schutzbleche und einen leichten Gepäckträger, wodurch das Fahrrad auch für längere Touren oder leichtes Bikepacking interessant wird. Gerade diese Vielseitigkeit könnte für mich persönlich eine größere Rolle spielen.
Meine Vorstellung vom Gravelbike wäre nämlich ohnehin weniger, damit ausschließlich Rennen oder schnelle Trainingsrunden zu fahren. Mich reizen vor allem längere Touren, Radwege, Schotterstrecken und die Möglichkeit, Strecken miteinander zu verbinden, bei denen mein E-Enduro irgendwann einfach überdimensioniert wäre. Genau dort könnte ein E-Gravelbike eine ziemlich interessante Lücke schließen.
Das Machete bringt außerdem bereits eine Lichtanlage mit. Vorne arbeitet eine Supernova Starstream Mini, hinten sind MonkeyLink Twinlights integriert. Das sind vielleicht keine Ausstattungsdetails, die auf einem Datenblatt sofort Begeisterung auslösen, im Alltag und auf längeren Touren finde ich eine solche Ausstattung aber durchaus sinnvoll.
Günstig ist der Einstieg allerdings nicht
Ganz ausblenden sollte man den Preis natürlich nicht. Das BULLS Machete EVO SX 1 liegt bei einer UVP von 4.999 Euro. Damit bewegt sich das Bike definitiv in einem Bereich, in dem man nicht einfach spontan sagt: „Ach komm, nehme ich noch mit.“
Auf der anderen Seite bekommt man dafür einen Carbonrahmen, den Bosch Performance Line SX, einen integrierten Akku, eine Gravel-spezifische Federgabel und eine insgesamt ziemlich hochwertige Ausstattung. Ob einem das knapp 5.000 Euro wert ist, muss natürlich jeder selbst entscheiden. Für mich wäre das auf jeden Fall ein Punkt, den ich bei einem späteren Kauf sehr genau mit anderen Modellen vergleichen würde.
Mein erster Eindruck vom BULLS Machete EVO SX 1
Nach meiner ersten Fahrt auf dem Gravel Ground hat sich meine Meinung zum Thema E-Gravelbike tatsächlich verändert. Vorher habe ich mich hauptsächlich gefragt, warum ich bei einem Gravelbike einen Motor benötige, wenn ich auf der Geraden ohnehin relativ schnell oberhalb von 25 km/h unterwegs sein kann. Nach dem Test stelle ich mir eine ganz andere Frage: Warum sollte ich auf Unterstützung am Berg verzichten, nur weil ich sie auf der Geraden nicht benötige?
Genau darin liegt für mich inzwischen der Reiz. Ich bekomme ein relativ leichtes und sportliches Fahrrad, das sich auch oberhalb der Unterstützungsgrenze vernünftig fahren lässt. Gleichzeitig habe ich zusätzliche Leistung zur Verfügung, sobald Höhenmeter kommen oder irgendwann die Beine nicht mehr so wollen wie am Anfang der Tour.
Eine kurze Fahrt auf einer Veranstaltung ersetzt natürlich keinen ausführlichen Langzeittest. Über Reichweite auf langen Touren, Sitzkomfort nach mehreren Stunden, Verschleiß oder das Fahrverhalten auf unterschiedlichsten Untergründen kann ich nach diesem ersten Kontakt noch keine belastbaren Aussagen treffen. Dafür müsste das Machete definitiv noch einmal für einen längeren Zeitraum bei mir einziehen.
Was ich nach dem Gravel Ground aber sagen kann: Das BULLS Machete EVO SX 1 hat mein Interesse am Thema E-Gravel deutlich verstärkt. Wenn das Thema Gravelbike bei mir in Zukunft konkreter wird, werde ich nicht nur klassische Gravelbikes ausprobieren. Ein E-Gravelbike wird definitiv mit in die engere Auswahl kommen und nach diesem ersten Test steht das Machete EVO SX 1 dabei ziemlich weit oben auf meiner Liste.
Vielleicht brauche ich also tatsächlich irgendwann ein E-Gravelbike.
Damit hätte ich vor dem Gravel Ground selbst nicht unbedingt gerechnet.
Technische Daten BULLS Machete EVO SX 1
| Komponente | Ausstattung |
|---|---|
| Rahmen | Carbon |
| Motor | Bosch Performance Line SX |
| Drehmoment | bis 60 Nm |
| Max. Motorleistung | bis 600 W |
| Akku | Bosch CompactTube, 400 Wh |
| Range Extender | optional 250 Wh |
| Federgabel | RockShox Rudy XL |
| Federweg | 60 mm |
| Schaltung | Shimano GRX, 12-fach |
| Bremsen | Shimano GRX, hydraulisch |
| Reifen | Schwalbe G-One RX, 45 mm |
| Gewicht | ca. 17,7 kg |
| Max. Systemgewicht | 135 kg |
| UVP | 4.999 Euro |