Mein erstes Mal Gravel Ground: Bikes, Menschen und plötzlich ziemlich viel Lust auf Gravel

Gravel war für mich bisher eher ein Thema, das ich interessant fand, aber noch nicht so richtig greifen konnte. Klar, Gravelbikes sind längst kein Nischenthema mehr und gerade in den letzten Jahren ist die Szene enorm gewachsen. Trotzdem komme ich ursprünglich aus der Mountainbike- und E-MTB-Ecke. Breite Reifen, ordentlich Federweg, Wald und Trails – da fühle ich mich zuhause. Nach meinem ersten Wochenende auf dem Gravel Ground in Herten muss ich allerdings sagen: Gravel hat es ziemlich erfolgreich geschafft, sich auf meine persönliche Interessenliste zu schummeln.

Das Gravel Ground fand 2026 auf dem Gelände der ehemaligen Zeche Ewald in Herten und rund um die Halde Hoheward statt. Die Location passt meiner Meinung nach perfekt zu so einem Event. Auf der einen Seite die alte Industriekulisse des Ruhrgebiets, auf der anderen Seite Schotterwege, Halden und genügend Möglichkeiten, die ausgestellten Bikes auch wirklich einmal in passendem Gelände zu testen. Dazu kamen zahlreiche Hersteller, geführte Touren, Workshops, Rennen und natürlich jede Menge Menschen aus der Gravel- und Bike-Szene.
Freitag: Wetter mies, Stimmung trotzdem gut
Für mich ging es bereits am Freitagmorgen recht früh in Bielefeld los. Mein erster Weg führte zunächst ins Hotel, das sich später leider als eher ungeeignete Unterkunft herausstellen sollte. Den ausführlichen Test dazu findet ihr separat auf Leinenlos on Tour. Kleiner Spoiler: Von den geplanten zwei Nächten habe ich am Ende nur eine dort verbracht.
Nachdem ich mein Zeug abgeladen hatte, ging es direkt weiter zum Veranstaltungsgelände. Ich hatte mich im Vorfeld bereits akkreditiert und holte mir beim Veranstalter zunächst meinen Presseausweis beziehungsweise die entsprechende Ausstellerkennzeichnung ab. Leider spielte das Wetter an diesem Tag überhaupt nicht mit. Dementsprechend leer blieben viele Stände und auch die Lust auf Testfahrten hielt sich verständlicherweise etwas in Grenzen. Natürlich konnte man bereits erste Gespräche führen und sich einen Überblick verschaffen, aber seien wir ehrlich: Bei gutem Wetter macht so ein Outdoor-Event einfach deutlich mehr Spaß und motiviert auch selbst ganz anders.

Ich nutzte den Freitag deshalb eher dazu, schon einmal Leute zu treffen, auf die man sich nach einigen Veranstaltungen mittlerweile wirklich freut. So traf ich unter anderem Kay von meinMTB, Cyclist Andy, Sven alias Hobscotch und Nicole von Rund und Raus. Genau diese Treffen sind inzwischen fast genauso wichtig wie die Produkte und Bikes selbst, denn irgendwann fährt man nicht mehr nur wegen der Veranstaltung hin, sondern auch wegen der Menschen.
Einer der schönsten Momente des Freitags kam allerdings völlig unerwartet. Ein Besucher, ich meine er hieß Thomas, sprach mich an und meinte, dass er meinen YouTube-Kanal kennt und gerne schaut. Begrüßt wurde ich mit einem einfachen „Toller Kanal“. Für jemanden wie mich, der sich im großen YouTube-Kosmos immer noch als ziemlich kleines Licht sieht, sind das genau die Momente, die hängen bleiben. Man steckt Stunden in Aufnahmen, Schnitt, Planung und all den ganzen Kram und fragt sich manchmal schon, ob das überhaupt irgendwen interessiert. Wenn dann jemand vor dir steht und sagt, dass er deine Videos wirklich gerne schaut, ist das einfach ein ziemlich geiles Gefühl.
Den restlichen Freitag nutzte ich, um erste Fotos zu machen, ein paar Gespräche zu führen und mich schon einmal auf den Samstag vorzubereiten. Der Tag ging am Ende erstaunlich schnell vorbei und mit einigen Leuten wurde direkt verabredet, sich am nächsten Morgen wiederzusehen.



Samstag: Sonne, Bikes und eine völlig andere Motivation



Am Samstag sah die Welt direkt ganz anders aus. Morgens zeigte sich bereits etwas Sonne und allein dadurch war die Motivation eine völlig andere. Auf dem Gelände war deutlich mehr los, die Stände waren voller und auch die Testmöglichkeiten wurden wesentlich stärker genutzt. Bei einer ersten Runde über die Expo blieb ich schließlich bei BULLS hängen und entdeckte dort das Machete EVO SX 1 – ein E-Gravelbike.
Genau diese Kategorie Bike hatte mich schon länger interessiert, weil ich mich gefragt habe, ob ein Motor an einem Gravelbike überhaupt wirklich sinnvoll ist. Schließlich kommt man mit einem Gravelbike auf der Ebene relativ schnell über 25 km/h und damit über die Grenze der Motorunterstützung. Auf den ersten Blick könnte man also sagen: Wozu überhaupt? Die Antwort darauf bekam ich ziemlich schnell, als es mit dem Bike hoch auf die Halde ging. Bergauf ergibt so ein E-Gravel plötzlich richtig viel Sinn.
Dank der Unterstützung lassen sich Höhenmeter deutlich entspannter bewältigen. Natürlich gibt es genug Fahrer, die genau diesen Kampf am Berg lieben und sich gerne komplett aus dem Leben treten. Ich gehöre da eher nicht dazu. Ich fahre Fahrrad, weil ich Spaß haben möchte, weil ich mich bewegen möchte und weil ich die Umgebung auf eine der schönsten Arten überhaupt erleben kann. Ich brauche nicht das Gefühl, oben angekommen direkt ein Sauerstoffzelt beantragen zu müssen.
Genau deshalb hat mich das Konzept des E-Gravelbikes ziemlich schnell überzeugt. Auf der Ebene fährt man das Bike ganz normal weiter und bergauf bekommt man genau dort Unterstützung, wo sie für mich persönlich Sinn macht. Als ich das BULLS später wieder zurückgeben musste, fiel mir das ehrlich gesagt schwerer als gedacht. Damit war das Thema E-Gravel für mich plötzlich sehr viel interessanter als noch einen Tag zuvor.

Eine Kaufentscheidung ist damit natürlich noch lange nicht gefallen. Ich möchte bis zum Frühjahr 2027 noch einige Gravelbikes und E-Gravelbikes testen und herausfinden, welches Konzept am Ende am besten zu mir passt. Aber eins kann ich mittlerweile ziemlich sicher sagen: Gravel wird 2027 bei Midlife Biking definitiv ein größeres Thema werden.



KTM Gravelator Exonic – optisch komplett wild
Zurück auf dem Messegelände blieb ich kurze Zeit später am KTM-Stand stehen. Dort stand das Gravelator Exonic AXS Powermeter mit einer Lackierung, die wirklich alles andere als gewöhnlich war. Das Bike besitzt eine spezielle Oberfläche, die mit Mikroorganismen beziehungsweise biologisch beeinflussten Strukturen arbeitet und dafür sorgt, dass jedes Bike optisch etwas anders aussieht. Genau solche Details finde ich spannend, weil sie ein Bike wirklich von der Masse abheben.
Mehr zu dem KTM findet ihr auch im aktuellen Video auf meinem YouTube-Kanal, denn in Bewegung und mit den ganzen Details kommt die Lackierung noch einmal deutlich besser rüber als auf Fotos.
Gemeinsam über die Expo







Später traf ich Nicole wieder und wir machten uns gemeinsam auf den Weg über die Expo. Genau solche Runden mag ich besonders, weil man nicht einfach nur stumpf von Stand zu Stand läuft, sondern automatisch ins Gespräch kommt und dabei immer wieder spannende Produkte entdeckt. Unter anderem waren wir bei Scott und Continental unterwegs und kamen schließlich auch bei SKS vorbei.
Dort entdeckte ich die neue elektrische Minipumpe EMP, die ich vorher bereits beim pressedienst-fahrrad gesehen hatte. Das Thema passt gerade ziemlich gut, denn ich plane aktuell eine größere Testserie zu elektrischen Minipumpen. Einige Hersteller habe ich bereits angeschrieben und wenn alles klappt, werde ich mehrere Modelle unter möglichst gleichen Bedingungen testen und anschließend miteinander vergleichen. Ich hoffe deshalb, dass ich auch die EMP irgendwann bei mir im Test habe.
Im weiteren Verlauf trafen wir wieder Cyclist Andy. Er hatte an diesem Tag, genauso wie Kay und Nicole, eine Guided Tour beziehungsweise eigene Programmpunkte. Bevor es für die beiden losging, machten wir uns zunächst gemeinsam auf den Weg zum Start des Rennens Scary Schotter, denn unter anderem ging dort auch Mark Bartsch an den Start. Den wollten wir natürlich nicht einfach still und leise losfahren lassen, sondern entsprechend anfeuern.




Die kompletten Ergebnisse der Rennen habe ich separat auf Biele.Bike zusammengefasst. Dort findet ihr alle Zeiten, Platzierungen und weiteren Infos.
Ein Abstecher zu VeloFM
Nachdem Andy und Nicole auf ihren Touren unterwegs waren, machte ich mich zum Stand von VeloFM. Nora hatte mich eingeladen, ein paar Worte mit ihnen aufzunehmen und dabei auch etwas über Midlife Biking und meinen Podcast zu erzählen. Aus einem kurzen Gespräch wurde am Ende eine wirklich schöne Unterhaltung über Bikes, Medien und Podcasts.
Genau solche Gespräche machen Events für mich besonders spannend, weil daraus oft mehr entsteht als nur ein kurzer Kontakt. Ich hoffe sehr, dass wir irgendwann noch eine längere gemeinsame Podcastfolge hinbekommen, denn die Chemie hat auf jeden Fall gepasst.
Danach ging es für mich wieder weiter über die Expo. Irgendwann traf ich Daniel Day und Michi, die für RADON vor Ort Content produzierten. Auch hier entstand wieder ein richtig nettes Gespräch, bevor ich weiterzog und mir noch einige Produkte und Bikes anschaute.
Mit Kay über die Expo – beziehungsweise alle 20 Meter stehen bleiben








Später traf ich Kay wieder. Seine Tour war beendet und er wollte ebenfalls noch eine Runde mit Kamera über das Gelände drehen. Wer Kay im Ruhrgebiet kennt, weiß allerdings auch, dass so eine Runde nicht unbedingt schnell geht. Gefühlt alle 20 Meter kam jemand vorbei, der ihn kannte, begrüßte oder kurz mit ihm quatschen wollte.

Eigentlich ist genau das aber wieder etwas Positives, denn dadurch lernt man automatisch weitere Leute kennen. Kay landete irgendwann ebenfalls bei VeloFM und konnte dort etwas über sich und seinen Bezug zum Ruhrgebiet erzählen. Anschließend liefen wir noch eine ganze Weile gemeinsam über die Expo.
Irgendwann trafen wir dann auch weitere Creator wie Tjorven Geschwindigkeit, Tom von Bike & Ride und einige andere bekannte Gesichter. Genau in solchen Momenten fühlt sich das Ganze weniger nach Messe und mehr nach einem großen Klassentreffen an. Man steht zusammen, redet über Bikes, YouTube, Projekte, Technik und alles mögliche andere und merkt irgendwann, dass schon wieder eine Stunde vergangen ist.

Das ist inzwischen ehrlich gesagt einer der Hauptgründe, warum ich solche Events so gerne besuche. Natürlich interessieren mich die Bikes, Produkte und Neuheiten, aber die Gespräche und Begegnungen bleiben am Ende meistens viel stärker hängen.
Früher zurück nach Bielefeld als geplant
Gegen 18:30 Uhr war der Tag für die meisten langsam vorbei. Viele hatten für Sonntag noch Touren, Termine oder andere Verpflichtungen. Für mich ging es zunächst zurück ins Hotel.
Dort fiel dann allerdings relativ schnell die Entscheidung, früher abzureisen. Ich hatte in der Nacht zuvor gerade einmal ungefähr drei Stunden geschlafen und hatte ehrlich gesagt keine große Lust, das noch einmal zu wiederholen. Also packte ich meine Sachen zusammen und machte mich noch am Samstagabend zurück nach Bielefeld.
Damit endete mein erstes Gravel Ground zwar etwas früher als ursprünglich geplant, bereut habe ich die Entscheidung aber trotzdem nicht. Ich hatte zwei intensive Tage, jede Menge Gespräche, neue Kontakte, neue Ideen und vor allem eine ziemlich klare Erkenntnis.
Mein Fazit: Gravel wird bei Midlife Biking definitiv ein Thema
Vor dem Wochenende hätte ich nicht gedacht, dass ich danach so klar sagen würde: Ich habe richtig Bock auf Gravel.
Ob es am Ende ein klassisches Gravelbike oder vielleicht sogar ein E-Gravelbike wird, weiß ich noch nicht. Genau deshalb möchte ich in den kommenden Monaten verschiedene Modelle testen und herausfinden, welches Konzept wirklich zu mir passt. Spätestens im Frühjahr 2027 möchte ich meinen Fuhrpark aber ziemlich sicher um ein Gravelbike erweitern.
Was mir vom Gravel Ground allerdings fast noch stärker im Kopf geblieben ist als die Bikes, sind die Menschen. Alte Bekannte wiedersehen, neue Leute kennenlernen, gemeinsam herumalbern, über Bikes und Projekte sprechen und irgendwann feststellen, dass aus manchen Kontakten langsam echte Freundschaften entstehen – genau das macht solche Wochenenden für mich aus.
Dazu kamen direkt wieder neue Ideen und mögliche Folgetermine für Podcasts, Produkttests und andere Projekte. Wenn man nach einem Event mit mehr Ideen nach Hause fährt, als man vorher hatte, dann hat sich die Reise eigentlich schon gelohnt.
Deshalb bleibt am Ende nur eine Frage:
Wann wird Gravel Ground 2027 angekündigt?
Denn wenn es zeitlich passt, bin ich definitiv wieder dabei. Und wer weiß – vielleicht dann sogar schon mit meinem eigenen Gravelbike.
