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Vatertag in Brilon – was mir als Einsteiger bewusst wurde

Manchmal fängt ein richtig guter Tag ziemlich bescheiden an.

Bei mir ging es schon morgens in Bielefeld los. Regen. Grauer Himmel. Nasse Straßen. Genau dieses Wetter, bei dem man sich kurz fragt, ob man nicht doch lieber einen Kaffee mehr trinkt und das Bike einfach im Keller stehen lässt. Die Laune war also sagen wir mal: ausbaufähig.

Trotzdem hatte ich richtig Bock auf die Tour. Denn es ging nach Brilon zum TrailGround. Endlich Kay von meinMTB.de wiedersehen und Marcel von marcelsmtblife mal persönlich kennenlernen. Also Bike eingepackt, Klamotten sortiert, losgefahren und ab auf die Autobahn.

Die Fahrt selbst war jetzt nicht gerade ein Highlight. Regen, Verkehr, dieses typische „Warum mache ich das eigentlich gerade?“-Gefühl. Aber am Ende kam ich ganz gut durch und als ich am Parkplatz in Brilon ankam, warteten die Jungs schon.

Und genau da war die Laune dann auch wieder deutlich besser.

Bikes fertig machen, Regen ignorieren, losfahren

Am Parkplatz ging es dann erstmal ganz klassisch los: Bikes abladen, Klamotten anziehen, Helm auf, Technik checken und mental darauf einstellen, dass das heute kein trockener Flowtrail-Sonntag wird.

Wir entschieden uns für die Drei-Berge-Tour im TrailGround Brilon. Mit 17,3 Kilometern und rund 505 Höhenmetern ist sie die längste der drei Touren dort.

Der TrailGround Brilon liegt fast direkt am Ortsrand und bietet mehrere Singletrail-Runden zwischen 7 und 17 Kilometern. Die Trails führen über Hängeberg, Bilstein und Plattenberg und sind nicht nur für absolute Experten gedacht. Genau das macht Brilon für mich als Einsteiger so interessant.

Es geht hier nicht darum, direkt die härtesten technischen Passagen zu überleben. Vielmehr stehen Fahrspaß, Landschaft und flüssige Trails im Vordergrund. Moderate Anstiege, schöne Abfahrten, Wellen, Anlieger und kleine Kicker sorgen dafür, dass man sich langsam herantasten kann.

Zumindest theoretisch.

Denn an diesem Tag kam noch ein kleiner Endgegner dazu: Matsch.

Der erste Trail: Willkommen in der Realität

Schon auf dem ersten Trail merkte ich ziemlich schnell, dass der matschige Boden für mich eine echte Herausforderung werden würde. Ich war vorsichtig. Sehr vorsichtig.

Meine Bremse quietschte gefühlt häufiger als mir lieb war. Während Kay und Marcel deutlich entspannter unterwegs waren, merkte ich bei mir direkt: Okay, das hier ist eine andere Nummer als eine entspannte Feierabendrunde.

Der Untergrund war weich, rutschig und teilweise schwer einzuschätzen. Genau das sind diese Momente, in denen man als Einsteiger sofort merkt, wie viel man eigentlich noch lernen muss.

Nicht im negativen Sinne. Sondern eher so: Das Bike kann mehr als ich. Der Trail kann mehr als ich. Und mein Kopf funkt mir gerade mehr dazwischen als meine Technik.

Trotzdem ging es weiter. Und genau das war gut.

Hoch zur Bilstein Aussichtsplattform

Nach den ersten Trailmetern ging es hoch zur Bilstein Aussichtsplattform. Und was soll ich sagen: Der Ausblick lohnt sich wirklich.

Auch wenn das Wetter nicht perfekt war, hat man dort oben eine richtig schöne Sicht über das Sauerland und die Briloner Hochfläche. Genau solche Momente machen eine Tour dann eben doch besonders. Man steht da, etwas außer Atem, die Klamotten schon leicht eingesaut, das Bike dreckig, aber innerlich denkt man sich: Ja, dafür bin ich heute hier. Und dann ging es weiter zur nächsten Abfahrt.

Meine schmerzhafte Lektion: Finger weg von der Kamera

Jetzt kommt der Teil, den ich im Nachhinein ganz klar unter „selbst schuld, aber lehrreich“ abspeichern muss. Auf der nächsten Abfahrt wollte ich während der Fahrt kurz an der Kamera herumjustieren. Nur mal eben. Kennt man ja. Blöde Idee. Richtig blöde Idee.

Denn gerade in einer Abfahrt, auf matschigem Boden, mit Kurven und wechselndem Untergrund sollte man vielleicht genau das tun, was eigentlich ziemlich offensichtlich ist:

Beide Hände an den Lenker. Augen auf den Trail. Kopf bei der Sache.

Ein paar Sekunden später war es dann auch schon passiert.

Ich kam in einer Kurve zu weit nach außen, der Lenker wurde mir herumgerissen und ich habe mich schön auf die Fresse gelegt. Und ja, in diesem Fall ist das nicht nur so dahingesagt.

Ich bin sowohl mit der linken Körperseite als auch mit der Wange auf dem Boden gelandet.

Zum Glück ist nichts Schlimmeres passiert. Das Bike war heile. Ich war grundsätzlich auch heile. Aber ein Bluterguss in der Hand, eine wahrscheinlich geprellte Schulter und eine geprellte Rippe haben mir ziemlich deutlich gezeigt:

Unaufmerksamkeit rächt sich. Sofort.

Und als Einsteiger vielleicht sogar noch schneller.

Keine Angst, aber Respekt

Nach dem Sturz war ich nicht wirklich ängstlich. Aber ich hatte Respekt. Und zwar deutlich mehr als vorher.

Gerade bei diesem Wetter wurde mir bewusst, wie neu das alles für mich noch ist. Natürlich fahre ich gerne MTB und E-MTB. Natürlich habe ich Bock auf Trails. Aber zwischen „Ich fahre gerne im Gelände“ und „Ich fahre sauber, locker und sicher einen nassen Trail runter“ liegt eben noch ein ganzes Stück Entwicklung.

Vor allem, wenn es etwas steiler bergab ging, kamen schon ein paar Gedanken hoch. Was macht der Vorderreifen? Wie viel Grip habe ich wirklich? Bremse ich gerade zu viel? Bin ich zu langsam? Oder lasse ich das Bike einfach mal machen?

Genau das war für mich eine wichtige Erkenntnis an diesem Tag: Manchmal muss man dem Bike mehr vertrauen. Aber eben nicht blind. Vertrauen kommt nicht dadurch, dass man sich überschätzt, sondern dadurch, dass man Erfahrung sammelt. Und genau das habe ich versucht.

Ich habe nicht komplett zugemacht. Ich habe die Geschwindigkeit, so gut es eben ging, auch mal gewinnen lassen. Nicht völlig kopflos, aber mutiger als am Anfang. Und Stück für Stück kam auch der Spaß wieder mehr in den Vordergrund.

Uphill-Trails: Überraschend geil

Was ich vorher ehrlich gesagt ein bisschen befürchtet hatte, stellte sich im Nachhinein als richtig spaßig heraus: Uphill-Trails.

Gerade bei dem Wetter hätte ich gedacht, dass die Anstiege eher zäh, rutschig und nervig werden. Aber tatsächlich haben sie mir richtig Spaß gemacht.

Und ja, ich sage es ganz offen: Ohne E-Bike wäre das für mich in dieser Form aktuell undenkbar gewesen.

Das E-MTB schiebt einen die Uphills schon ordentlich hoch. Nicht von alleine, natürlich muss man trotzdem treten, arbeiten und konzentriert bleiben. Aber diese Unterstützung macht einfach enorm viel aus. Gerade wenn der Boden weich ist und man trotzdem irgendwie sauber hochkommen will.

Mein Puls lag trotz Unterstützung teilweise bei rund 150 bpm. Also von wegen „E-Bike ist kein Sport“.

Doch, ist es. Nur eben anders.

Für mich war das ein richtig gutes Beispiel dafür, warum ich mein E-MTB so liebe. Es ermöglicht mir Touren, die ich sonst vermutlich gar nicht oder zumindest nicht mit so viel Freude fahren würde. Es nimmt einem nicht alles ab, aber es öffnet Türen. Und genau darum geht es doch.

Was mir als Einsteiger bewusst wurde

Diese Tour hat mir einiges gezeigt. Nicht theoretisch. Nicht aus einem YouTube-Tutorial. Sondern ziemlich direkt, mit Matsch an den Klamotten und Schmerzen in Schulter und Rippe.

Erstens: Nasse Trails sind eine eigene Liga.
Grip, Bremsverhalten, Linienwahl und Körperhaltung fühlen sich komplett anders an als bei trockenem Boden.

Zweitens: Ablenkung hat auf dem Trail nichts verloren.
Kamera, Display, Einstellungen, irgendwas am Rucksack — alles egal. Erst anhalten, dann fummeln.

Drittens: Respekt ist gut, Angst ist schlecht.
Respekt hält dich wach. Angst macht dich steif. Und steif auf dem Bike ist selten eine gute Idee.

Viertens: Man muss nicht alles sofort können.
Gerade als Einsteiger ist es völlig okay, vorsichtiger zu fahren. Wichtig ist nur, dass man sich weiterentwickelt und nicht komplett blockiert.

Fünftens: Gute Leute um dich herum machen einen riesigen Unterschied.
Mit Kay und Marcel unterwegs zu sein, hat einfach Spaß gemacht. Kein Druck, kein Gehabe, kein „Du musst jetzt aber“. Einfach fahren, lachen, lernen und weiterrollen.

Mein Fazit zum Vatertag in Brilon

Nach etwas mehr als zwei Stunden war die Tour vorbei.

Ich war dreckig. Ich war kaputt. Ich hatte Schmerzen. Und trotzdem hatte ich ein breites Grinsen im Gesicht.

Denn auch wenn ich hier gerade mit einer schmerzenden Schulter und einer beleidigten Rippe sitze, bereue ich den Trip keine Sekunde. Ganz im Gegenteil.

Der TrailGround Brilon hat mir gezeigt, wie viel Spaß solche Touren machen können, aber auch, wie viel ich noch lernen darf. Und genau das ist vielleicht der wichtigste Punkt: Ich bin noch nicht da, wo ich fahrtechnisch gerne wäre. Aber ich bin unterwegs. Und solche Tage bringen mich weiter.

Nicht, weil alles perfekt lief. Sondern gerade, weil es nicht perfekt lief.

Ich habe gelernt, dass Matsch Respekt verdient. Dass man Kameras auf Abfahrten einfach in Ruhe lassen sollte. Dass Uphill-Trails mit dem E-MTB richtig Laune machen können. Und dass ein Sturz zwar weh tut, aber manchmal auch ziemlich klar zeigt, woran man arbeiten muss.

Brilon, ich komme wieder.

Dann hoffentlich mit weniger Regen, etwas mehr Fahrtechnik und definitiv mit beiden Händen am Lenker.

Unten findet ihr die Tour auf Komoot.

PatrickKreft

Eigentlich ist Sport und Ernährung schon immer meine Leidenschaft gewesen. Diverse Trainier- und Ernährungs-Lizenzen ( unter anderem "Ernährungsberater für Sporternährung"), versorgen mich mit jede Menge theoretischen Wissen, welches ich hier in meinem Blog gerne mit meinen Lesern teile. Dazu kommt die neue Leidenschaft MTB - Ich brenne für das Thema und habe Bock mich dazu auszutauschen.

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